Am Dienstag haben Vertreterinnen und Vertreter der Grünen Oberwallis, der SP Oberwallis, der GLP Oberwallis, des VCS Wallis, des WWF Oberwallis sowie der Oberwalliser Gruppe Umwelt und Verkehr OGUV ihre Argumente gegen das kantonale Flughafengesetz dargelegt, über das die Walliser Bevölkerung am 29. November abstimmt.
Am 29. November stimmt die Walliser Bevölkerung über das «Gesetz über die Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft des Flughafens Sitten» ab. Mit dem neuen Gesetz sieht der Staatsrat eine Verstaatlichung der Flughafeninfrastruktur vor. Ziel ist es, die Zahl der kommerziellen Flüge massiv zu steigern und den Standort Sitten für Privatjets attraktiver zu machen. Gegen die Vorlage haben die Grünen Wallis gemeinsam mit verschiedenen Parteien und Organisationen das Referendum ergriffen. Sie haben mehr als 4700 Unterschriften gesammelt (wovon 3700 beglaubigte).
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Finanzierung der neuen Betriebsgesellschaft. Das Gesetz sieht vor, jährlich 3 bis 6 Millionen Franken zu investieren, wovon der Kanton 70 %, die Stadt Sitten 20 % und die übrigen Walliser Gemeinden 10 % tragen sollen – und dies ohne gesetzliche Obergrenze. Brigitte Wolf, Co-Präsidentin der Grünen Wallis, sagt dazu: «Für mich stellt sich eine grundlegende Frage: Ist es gerechtfertigt, öffentliche Mittel in eine defizitäre Infrastruktur zu investieren, von der nur ein kleiner Teil der Bevölkerung profitiert?». Sie hebt hervor, dass der Flughafen in erster Linie einer wohlhabenden Kundschaft auf dem Weg in Luxusdestinationen wie Verbier, Crans-Montana oder Zermatt diene. Viele Jets würden leer nach Sitten gebracht, um hier parkiert zu werden. Für sie ist klar: «Die Grünen wollen keine öffentlichen Gelder aufwenden für etwas, wovon die allermeisten Walliserinnen und Walliser keinen Nutzen haben.».
Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei der Nutzen der Infrastruktur äusserst gering. Tobias Brantschen, Co-Präsident der GLP Oberwallis, verweist auf eine Studie der IDHEAP-Professorin Laure Athias, wonach der Flughafen weniger als 0,4 % zum kantonalen BIP und weniger als 1 % zur touristischen Wertschöpfung beiträgt. Er stellt klar, dass eine Betreibergesellschaft weder zur Nachfrage beitrage noch ein nachhaltiges Tourismuskonzept schaffe, und unterstreicht mit Blick auf die 2031 auslaufende Konzession: «Wichtig in der Diskussion ist zu erwähnen, dass ein Ja für eine neue Betriebsgesellschaft keine neue Konzession garantiert und ein Nein keine automatische Schliessung bedeutet. Der Status Quo kann erhalten bleiben».
Die Diskrepanz zwischen Aufwand und Nutzen verdeutlicht auch Sebastian Werlen (Grossratssuppleant SP Oberwallis) anhand der aktuellen Nutzungszahlen. Im Jahr 2025 wurden am Flughafen Sitten gerade einmal 39’587 Passagiere gezählt – was durchschnittlich 108 Personen pro Tag entspricht. Dem standen im selben Jahr 43’888 Flugbewegungen gegenüber, womit statistisch gesehen nicht einmal ein Passagier auf jeden Start oder jede Landung kommt. Werlen betont: «Selbstverständlich gibt es Menschen, die vom Flughafen profitieren. Insbesondere eine kleine, sehr wohlhabende Minderheit, die mit Privatjets ins Wallis reist. Aber wer sich einen Privatjet leisten kann, sollte auch in der Lage sein, die dafür notwendige Infrastruktur selbst zu finanzieren. Es kann nicht Aufgabe der Walliser Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sein, den Luxus einer kleinen Minderheit zu subventionieren.»
Gleichzeitig entkräftet das Komitee das Argument der Befürworter, dass der Flughafen für den Rettungsdienst unverzichtbar sei. Tobias Heinzmann (OGUV) erläutert, dass bestehende Aufgaben wie Rettungsflüge (Air-Glaciers verzeichnete 2025 von Sitten aus 1’996 Einsätze), Ausbildung sowie das Innovationszentrum für Elektrofliegerei (H55) problemlos ohne kantonale Betriebsgesellschaft weitergeführt werden können. Wie die vier Helikopterbasen im Oberwallis zeigten, funktioniere der Rettungsdienst seit Jahren verlässlich ohne zusätzliche kantonale Betriebssubventionen.
Aus ökologischer Perspektive widerspricht das geplante Wachstum von knapp 40’000 auf rund 75’000 Passagiere innerhalb von 15 Jahren den Klimazielen des Kantons. Moritz Walther vom WWF kritisiert die mangelnde Kohärenz der kantonalen Politik: «Auf der einen Seite setzen wir uns das Ziel, unsere Treibhausgasemissionen zu reduzieren und das Wallis widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen. Auf der anderen Seite sollen öffentliche Mittel eingesetzt werden, um den kommerziellen Flugverkehr auszubauen. Das passt für mich nicht zusammen». Er ergänzt mit Blick auf die Budgetprioritäten: «Wir können nicht auf der einen Seite Millionen investieren, um uns an den Klimawandel anzupassen, und auf der anderen Seite Millionen einsetzen, um zusätzlichen Flugverkehr zu fördern. Das ist für den WWF keine kohärente Politik».
Abschliessend plädiert Johannes Tschumi vom VCS Wallis dafür, öffentliche Steuergelder gezielt in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs für die gesamte Bevölkerung umzuleiten – etwa in raschere Zugverbindungen Richtung Mailand, sogenannte «Schneezüge» oder den alltäglichen Bus- und Bahnverkehr. Mit Blick auf die steigenden Lebenshaltungskosten resümiert er: «Der VCS Wallis will das Geld dort investieren, wo die Bevölkerung jeden Tag etwas davon hat: in unsere Dörfer, in den öffentlichen Verkehr und in eine Mobilität, die auch unseren Kindern noch ein lebenswertes Wallis lässt».

